Author Topic: Politisch korrekt und moralisch orientierunglos  (Read 149 times)

Kater Karlo

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Politisch korrekt und moralisch orientierunglos
« on: June 15, 2013, 03:10:57 pm »
Politisch korrekt und moralisch orientierungslos

Die politische Korrektheit ist kein Instrument der Erkenntnis, sondern dient der Meinungspflege innerhalb einer Gruppe. Da sie aber die Tabuisierung auch wissenschaftlicher Hypothesen fordert, ist sie ebenso wie Religion und Esoterik der natürliche Gegner einer jeden skeptisch-säkularen Bewegung. Sollte man meinen.

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Islamkritikphobie
Linke tun oft so, als hätten sie den Humanismus im Sinne des Kampfes für Menschenrechte gepachtet. Das ist aber nicht der Fall. So akzeptieren etwa viele Linke stillschweigend die Ansicht, dass die Androhung der Vernichtung Israels durchaus legitim sei. Warum sonst ist Claudia Roth nach ihrem High Five mit dem iranischen Botschafter nicht politisch tot? Warum sonst ist Andrea Nahles nach ihrer Beteuerung der „gemeinsamen Werte“ mit der Terrororgansiation Fatah nicht politisch tot? Sind solche Leute die richtigen Freunde?

Das Erstarken des politischen Islams ist die größte Bedrohung für unsere freiheitliche Grundordnung – und ganz besonders für jegliche säkulare Bewegung innerhalb dieser Grundordnung. Aber eine Kritik am Islam findet auf dem linken Spektrum kaum statt, im Gegenteil: Sie ist tabuisiert, weil politisch inkorrekt.

[Update: Fairerweise möchte ich diesen Punkt in Bezug auf die MIZ einschränken. Redakteur Frank Welker wies mich darauf hin, dass gerade die MIZ und der Alibri-Verlag sich dafür eingesetzt hätten, dass dieses Thema in der säkularen Szene Beachtung findet. Allerdings sagte er auch, dass sie eben dafür von Teilen der Linken Prügel einstecken mussten.]

Diese Kritik wird den Rechten überlassen. Deshalb kann ja auch jede Kritik am Islam gleich als rechtsextrem neutralisiert werden. Was allerdings in linken Kreisen politisch korrekt ist, ist die kampflose Aufgabe unserer Werte, der Menschenrechte. So möchte etwa Marieluise Beck von den Grünen jüdisches und muslimisches Leben nicht einfach willkommen heißen, sondern „auch zu den Bedingungen der Juden und Muslime [...] und nicht nur zu unseren Bedingungen.“ Dazu schreibt Walter Otte sehr zu Recht:

„Es zeigt sich jetzt konkret, wohin eine unreflektierte Akzeptanz solcher Rituale wie der Knabenbeschneidung, wohin aber auch eine Wertebeliebigkeit, eine Werteindifferenz führt: zur Relativierung von Menschenrechten.“

Darin offenbart sich das größte Problem eines linken Säkularismus: der Moralrelativismus, die moralische Orientierungslosigkeit. Sie zeigt sich auch darin, dass in der aktuellen Sexismusdebatte die offenkundigste und eklatanteste Form des Sexismus, nämlich die fundamental-religiös motivierte Frauenverachtung - und speziell die islamische in Form von Zwangsheirat, Ghettoisierung, Jungfrauenkult und Ehrenmord – nicht thematisiert wird, schon gar nicht von der säkularen Bewegung.

Der moralische Relativismus ist selbstwidersprüchlich
Die Moralrelativisten wollen sich nicht anmaßen, einer anderen Kultur vorzuschreiben, „westliche“ Normen zu beachten, auch wenn es sich bei diesen Normen um die Menschenrechte handelt. Aber eine solche radikalrelativistische Position wie die von Frau Beck ist selbstwidersprüchlich. Denn auch die Forderung nach Relativierung von Menschenrechten ist eine starke moralische Position. Frau Beck gibt den Subkulturen völlig freie Hand, mit ihren Menschen das zu tun, was ihnen beliebt. Sie dürfen ihre Kinder beschneiden und indoktrinieren, ihre Frauen aus der Öffentlichkeit entfernen, sie schlagen und zwangsverheiraten. Es würde mich nicht wundern, wenn Frau Beck für Ehrenmörder auf mildernde Umstände plädierte. Frau Beck entscheidet damit, dass diese Menschen nicht in den Genuss der moralischen Fortschritte kommen, die wir wie selbstverständlich in Anspruch nehmen. In der Rhetorik der Moralrelativisten können wir sie fragen: „Wie können Sie sich anmaßen, eine solch weitreichende moralische Entscheidung über andere Menschen zu treffen!?“

Selbstkritik an der eigenen kollektiven Identität ist durchaus positiv zu werten. Die Rechten haben eindeutig zu wenig davon. Aber eine Bewegung, die daraus ableitet, kein Recht darauf zu haben, moralische Werte zu setzen, und keine Pflicht, sie zu verteidigen, hat kein Ziel und keinen Zweck. Eine solche Bewegung kämpft für überhaupt nichts mehr – außer für die Pflege der eigenen Meinung.

http://evidentist.wordpress.com/2013/02/13/politisch-korrekt-und-moralisch-orientierungslos/

Lesenswerter Artikel. Ich habe - aus aktuellem Anlass  ;) - nur den letzten Teil kopiert.

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