Author Topic: Fetullah Gülen - der Pate  (Read 1404 times)

KarlMartell

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Fetullah Gülen - der Pate
« on: August 06, 2012, 01:22:08 pm »
Der Pate
Millionen Muslime weltweit verehren ihn: Der türkische Prediger
Fethullah Gülen inszeniert sich als der Gandhi
des Islam. Seine Gemeinde findet auch in Deutschland neue Anhänger.

Das Mädchen trifft die Töne nicht,
das Publikum tobt trotzdem. Es
singt ein türkisches Lied, die Betonung
der Wörter klingt deutsch. Der
Saal ist geschmückt mit Luftballons, Girlanden
in Schwarz-Rot-Gold, Sichelmonden
in Rot-Weiß, die Zuschauer wedeln
mit deutschen und türkischen Fähnchen.
Der Bildungsverein Academy hat zum
Vorentscheid der „Kulturolympiade“ ins
Audimax der Technischen Universität
Berlin eingeladen. Tausend Menschen
sind gekommen, um sich den Talentwettbewerb
anzusehen. Sie jubeln, als der
Chor der deutsch-türkischen Tüdesb-
Schule auf der Bühne „Mein kleiner grüner
Kaktus“ singt. Und sie lauschen andächtig,
als eine Schülerin ein Gedicht
vorträgt. Auf der Leinwand hinter ihr
erscheinen Bilder von Frauen, die Kinder
im Arm halten. Das Gedicht heißt
„Anne“, Türkisch für „Mutter“; für einen
Augenblick wird der Name des Verfassers
eingeblendet: Fethullah Gülen.
Gülen ist nicht irgendein Dichter, jeder
im Saal kennt ihn. Gülen, geboren 1941 in
der Türkei, wird von Millionen Muslimen
in aller Welt verehrt. Er ist einer der einflussreichsten
Prediger des Islam. Seine
Anhänger haben in 140 Ländern Schulen
gegründet, eine Bank, Medienhäuser, Kliniken,
eine Versicherung, eine Universität.
Auch der Bildungsverein, der den Wettstreit
in der Berliner Uni ausrichtet, beruft
sich auf Gülen. Und so kommt es,
dass viele der Teilnehmer Gülen-Schulen
besuchen; dass Gülen-nahe Unternehmen
die Kulturolympiade sponsern und dass
Gülen-nahe Medien darüber berichten.
Deutsche und Türken, die voneinander
lernen, miteinander musizieren, tanzen,
klatschen – das sind die Bilder dieses
Abends. Sie sollen vom friedlichen Miteinander
der Religionen künden. „Wir
sind die erste Bewegung in der Geschichte
der Menschheit, die einzig und allein
der Wohltätigkeit dient“, sagt der Istanbuler
Gülen-Vertraute Mustafa Yeşil.
Menschen, die mit Fethullah Gülen gebrochen
haben, die das Innenleben dieser
Gemeinde kennen, erzählen eine andere
Geschichte. Sie berichten von einem erzkonservativen
Geheimbund, einer Sekte
wie Scientology. Sie berichten von einer
Welt, die mit den gefälligen Bildern der
Kulturolympiade nichts zu tun hat.
Die Gemeinde (Türkisch: „Cemaat“)
ziehe demnach ihre Kader auf der ganzen
Welt in sogenannten Lichthäusern heran,
einer Mischung aus Wohngemeinschaft
und Koranschule. Gülen sei ihr Guru, ein
Ideologe, der keinen Widerspruch dulde.
Sein Streben gelte Macht und
Einfluss, nicht Verständigung
und Toleranz. Er träume von
einem neuen Zeitalter, in dem
der Islam über den Westen
herrscht.
Experten kommen zu ähnlichen
Einschätzungen. Der niederländische
Soziologe Martin
van Bruinessen sieht Parallelen
zwischen der Gülen-Gemeinde
und dem katholischen
Geheimbund Opus Dei. Der
amerikanische Historiker und
Nahost-Kenner Michael Rubin
vergleicht den türkischen Prediger
mit dem iranischen Revolutionsführer
Ajatollah Chomeini.
Und US-Diplomaten
halten die Gülen-Gemeinde,
das geht aus den WikiLeaks
2010 zugespielten Botschaftsdepeschen
hervor, für die
mächtigste islamistische Gruppierung
in der Türkei: „Sie
kontrolliert Handel und Wirtschaft
und hat die politische
Szene tief unterwandert.“
Die wenigsten Aussteiger
sprechen über ihre Zeit in der
Bewegung. Jene, die es tun,
bestehen darauf, nicht mit Namen
genannt zu werden. Sie
haben Angst vor Gülen und
seinen Leuten; sie fürchten
um ihren Job, ihre Gesundheit,
ihre Familie.
Einer dieser Aussteiger –
für das Gespräch mit dem
SPIEGEL hat er den Namen Serkan Öz
gewählt – lebte ein paar Jahre lang in einem
Lichthaus in einer deutschen Großstadt.
Unmittelbar nach dem Abitur war
er dort eingezogen. Die Predigten Gülens,
die er im Internet sah, begeisterten ihn,
weil sie in seinen Augen die islamische
Frömmigkeit mit der westlichen Moderne
versöhnten.
Einrichtung und Alltag im Lichthaus,
so Öz, glichen eher der Kargheit und
Strenge eines Klosters als der Leichtigkeit
einer Studenten-WG. In seinem Haus
wohnten nur Männer, es gab keinen Damenbesuch
und auch keinen Alkohol. Ein
Vorsteher, den alle Bewohner „Agabey“
(großer Bruder) nannten, bestimmte den
Tagesablauf – wann es Zeit war zu arbeiten,
zu beten, zu schlafen. „Wir wurden
wie in einem Gefängnis bewacht“, erinnert
sich der Aussteiger. Täglich las Öz
im Koran und studierte Gülens Schriften.
Die Lichthäuser sind das Fundament
der Bewegung. Junge „Fethullahçis“ werden
hier zu treuen Dienern erzogen.
Lichthäuser gibt es in vielen Ländern: in
der Türkei, den USA, allein in Berlin sind
es zwei Dutzend. Die Cemaat bietet Schülern
und Studenten ein Zuhause, oft kostenlos,
und sie erwartet als Gegenleistung,
dass sie alle ihr Leben dem „Hizmet“ widmen,
dem Dienst am Islam.
Im Buch „Fasildan fasila“ schreibt Fethullah
Gülen, ein Schüler müsse „Tag und
Nacht auf Trab sein“, dürfe von niemandem
beim Schlafen gesehen werden:
„Wenn möglich schläft er drei Stunden
am Tag, hat zwei Stunden für andere Bedürfnisse,
den Rest muss er voll und ganz
Hizmet leisten. Im Wesentlichen hat er
außer in einigen bestimmten Situationen
kein persönliches Leben.“
Bewohner der Lichthäuser sollen auch
missionieren. Gülen erteilt in seinen
Schriften dafür Ratschläge: Die Schüler
sollen die Ungläubigen als Freunde gewinnen,
sich notfalls verstellen. „Mit der
Geduld einer Spinne legen wir unser
Netz, bis sich Menschen darin verfangen.“
Je stärker Serkan Öz seinen Alltag
nach den Regeln Gülens, den „Hizmet
düsturlari“, ausrichtete, desto weniger
Freiheiten blieben ihm. Die Cemaat wollte
ihm vorschreiben, welchen Beruf er ergreifen
sollte. Freunde außerhalb der Bewegung
hatte er kaum noch.
Andere Aussteiger berichten, wie sie
gedrängt wurden, nur innerhalb der Gülen-
Gemeinde zu heiraten. In
einigen Lichthäusern ist es verboten,
fernzusehen oder solche
Musik zu hören und Bücher
zu lesen, die Gülens Ideologie
widersprechen – wie die
Werke von Charles Darwin
und Jean-Paul Sartre. Manche
Bewohner wurden genötigt,
den Kontakt zu ihren Eltern
abzubrechen, weil diese sich
dagegen wehrten, ihre Kinder
an die Cemaat zu verlieren.
Serkan Öz beschloss, aus
dem Lichthaus auszuziehen.
Er war nun ein Abtrünniger,
und die Karriere-Türen, die
sich ihm geöffnet hatten,
schlossen sich. Öz wurde isoliert,
er verlor seine Freunde
und Bekannten, seine religiöse
Heimat und, so sieht er es heute,
seinen Platz in der Welt.
Die Deutschen haben sich
in den vergangenen Jahren
intensiv mit dem Islam beschäftigt.
Es gibt Islamkonferenzen,
Forschungsprojekte
über Integration. Über Gülen
und seine Bewegung hingegen
weiß die deutsche Öffentlichkeit
fast nichts. Dabei hat hierzulande
wohl kaum jemand
so viel Einfluss auf die Muslime
wie die Gülen-Gemeinde.
„Sie ist die wichtigste und gefährlichste
islamistische Bewegung
in Deutschland“, sagt
die Marburger Islamwissenschaftlerin
Ursula Spuler-Stegemann.
„Sie sind überall.“
Mehr als hundert Bildungseinrichtungen
betreiben Anhänger der Cemaat:
Schulen, Nachhilfezentren. Sie haben um
die 15 „Dialogvereine“ gegründet, etwa
das Forum für Interkulturellen Dialog
Berlin (FID). Die Vereine organisieren
Konferenzen, auf denen sich Rabbiner,
Pfarrer und Imame treffen, sie laden zu
Reisen nach Istanbul ein.
Gülen-Anhänger verlegen „Zaman“,
die auflagenstärkste Zeitung der Türkei,
mit einer Europa-Ausgabe und Ablegern
in aller Welt, sowie die Monatszeitschrift
„Die Fontäne“. Sie betreiben die Fernseh-
sender „Ebru TV“ und „Samanyolu TV“.
Der Unternehmerverein Barex mit 150
Firmen aus Berlin und Brandenburg soll
ebenfalls zum Netzwerk gehören.
Die ehemalige Bundestagspräsidentin
Rita Süssmuth (CDU) sitzt im Beirat des
Gülen-Vereins FID in Berlin. Andere Politiker
wie der hessische Justizminister
Jörg-Uwe Hahn (FDP), der Christdemokrat
Ruprecht Polenz und der langjährige
Berliner Innensenator Ehrhart Körting
(SPD) folgten Einladungen zu Veranstaltungen
der Gülen-Gemeinde.
Einer der größten Erfolge der Cemaat
ist das Tüdesb-Gymnasium in Berlin-
Spandau. Die Schule hat einen guten Ruf:
kleine Klassen, motivierte Lehrer, moderne
Ausstattung – auf jeden Platz kommen
mehrere Bewerber. Die Schüler, die meisten
türkischer Herkunft, sprechen Türkisch
und Deutsch, der Unterricht folgt
dem Berliner Lehrplan, manche Lehrer
haben von Fethullah Gülen noch nie etwas
gehört. Andere sollen der Bewegung
jedoch jeden Monat einen Teil ihres Gehalts
überweisen. Lange Zeit gab die
Schule an, überhaupt keine Verbindung
zu Gülen zu haben. Inzwischen bekennt
sich der Vorsitzende des Trägervereins
Tüdesb offen zu Gülen.
Die Gülen-Bewegung hat zwei Gesichter:
eines, das der Welt zugewandt ist,
und eines, das sich vor der Welt versteckt.
Undurchsichtig sind vor allem die Finanzen.
Reiche Unternehmer geben Millionen,
aber auch Beamte und Handwerker
beteiligen sich an der Finanzierung von
Gülen-Projekten. Durchschnittlich zehn
Prozent ihres Einkommens stellen „Fethullahçis“
der Gemeinde zur Verfügung,
einige bis zu 70 Prozent.
Fethullah Gülen selbst inszeniert sich
gern als bescheidener Prediger, er möchte
wie ein muslimischer Gandhi wirken. Von
ihm kommt das Mantra: „Baut Schulen
statt Moscheen.“
Bis er selbst in die USA zog, diente der
Westen Gülen als Feindbild. „Bis zum
jüngsten Tag“, schrieb er 1979 in seinem
Buch „Çag ve Nesil“, werde man „kein
menschliches Verhalten von den Westlern
sehen“. Türken, die sich Europa öffnen,
verurteilte Gülen als „Schmarotzer“, „Parasiten“,
„Blutkrebs“. In einer Videobotschaft
forderte er im November 2011 das
türkische Militär zum Angriff auf kurdische
Separatisten auf: „Lokalisiert sie,
umzingelt sie, zerschlagt ihre Einheiten,
lasst Feuer auf ihre Häuser regnen, überzieht
ihr Klagegeschrei mit noch mehr
Wehgeschrei, schneidet ihnen die Wurzeln
ab, und macht ihrer Sache ein Ende.“
Auch bestreitet Gülen die Evolutionstheorie;
sie sei „unwissenschaftlich“, eine
„Illusion“. Wissenschaftliche Fakten sind
für ihn nur dann wahr, wenn sie mit dem
Koran übereinstimmen.
Aufgewachsen war Gülen als Sohn eines
Dorfimam in Anatolien. Gemeinsam
mit Cemaleddin Kaplan, dem späteren
„Kalifen von Köln“, erhielt er Unterricht
in einer Moschee in Erzurum, einer Stadt
im Osten der Türkei. Zur gleichen Zeit
begegnete er den Lehren Said Nursis,
eines kurdischen Sufi-Predigers, und
schloss sich dessen Gemeinde an.
Als Ankara in den achtziger Jahren im
Kampf gegen den Kommunismus die türkisch-
islamische Synthese beschwor, ergriff
Gülen die Gelegenheit. Er gründete
Schulen in der Türkei und im Ausland
und beriet die streng säkulare Ministerpräsidentin
Tansu Çiller.
In einer Predigt forderte er damals seine
Schüler auf, ein neues muslimisches
Zeitalter zu begründen. Er riet seinen Anhängern,
den türkischen Staat zu unterwandern
und sich konspirativ zu verhalten,
bis die Zeit zur Machtübernahme reif
sei: „Ihr müsst in die Arterien des Systems
eindringen, ohne dabei bemerkt zu
werden. Ihr müsst warten, bis der richtige
Moment gekommen ist, bis ihr die gesamte
Staatsmacht an euch gerissen habt.
Wenn wir voreilig handeln, wird die Welt
uns die Köpfe einschlagen, Muslime überall
werden leiden. Es wäre, wie ein Ei zu
zerbrechen, ohne die 40 Tage zu warten,
bis das Küken schlüpft.“
Als eine Aufnahme dieser Rede 1999
an die Öffentlichkeit geriet, musste Gülen
aus der Türkei fliehen. Er behauptet, seine
Worte seien manipuliert worden. Gülen
lebt seither im Exil in den USA.
Seine Bewegung hat keine Adresse, keinen
Briefkasten, kein Register, kein zentrales
Konto. Gülen-Anhänger demon -
strieren nicht für Scharia und Dschihad –
die Cemaat operiert im Verborgenen. Fethullah
Gülen, der Pate, bestimmt Kurs und
Ausrichtung. Einige aus dem inneren Zirkel
der Macht dienen Gülen seit Jahrzehnten.
Sie kontrollieren die wichtigsten Unternehmen
der Bewegung: Verlage, Stiftungen.
Jede Weltregion wird in der Cemaat
von einem „Bruder“ verantwortet,
wie Zentralasien und Europa. Über nationale
und lokale „Brüder“ setzt sich die
Hierarchie bis in einzelne Stadtteile fort.
Dass die islamisch-konservative AKPartei
von Ministerpräsident Recep Tayyip
Erdogan 2002 die türkische Parlamentswahl
gewann, mehrte Gülens Einfluss in
der Türkei. Die beiden Lager seien zunächst
eine strategische Partnerschaft eingegangen,
glauben Beobachter: Gülen sicherte
der AKP Wählerstimmen, Erdogan
schützte die Cemaat. Nach Informationen
von US-Diplomaten gehörten 2004 fast
ein Fünftel der AKP-Abgeordneten der
Gülen-Gemeinde an, unter ihnen der Justiz-
und der Kulturminister.
Viele Staatsbeamte würden auf Befehl
der „Gülen-Brüder“ handeln, berichtet
ein hochrangiger Aussteiger. „Sie waren
unsere Schüler. Wir haben sie ausgebildet
und unterstützt. Wenn diese dankbaren
Kinder ihr Amt antreten, dienen sie weiterhin
Gülen.“ Der ehemalige Polizeidirektor
Adil Serdar Saçan schätzte 2006,
die Fethullahçis würden mehr als 80 Prozent
der türkischen Polizei in höheren
Positionen stellen. „Es ist unmöglich zu
beweisen, dass Mitglieder der Gülen-Bewegung
die Polizei kontrollieren“, meinte
2009 James Jeffrey, der damalige US-Botschafter
in Ankara, „aber wir haben niemanden
getroffen, der es bestreitet.“
Das Gesicht der Gülen-Gemeinde in
Deutschland heißt Ercan Karakoyun. Der
31-Jährige leitet den Berliner Dialogverein
FID, dessen Ehrenvorsitzender Gülen
ist. Karakoyun, Sohn türkischer Einwanderer,
empfängt seine Gäste in einem
Büro beim Potsdamer Platz, schmucklose,
funktionale Möbel, hellblauer Teppichboden,
im Regal stehen Texte von Fethullah
Gülen, „Das Tagebuch der Anne Frank“,
die „Bibel in gerechter Sprache“, ein
Buch des protestantischen Theologen
Heinz Zahrnt. Die Bücher scheinen wohlproportioniert
ausgewählt: von allem
etwas und bloß nichts Kontroverses. Sie
sollen dem Besucher sagen: Seht her, wir
sind die guten Muslime. Wir trauern um
die Toten des Holocaust, wir sind auf der
Höhe der theologischen Diskussion im
Christentum, wir sind Demokraten.
Karakoyun fand über einen „Bruder“
zur Bewegung, der ihn als Jugendlichen
vor einer Moschee in Nordrhein-Westfalen
ansprach. Er begann, Bücher Gülens
zu lesen. Er begleitete den „Bruder“ in
die Türkei und engagierte sich in der
Cemaat. Er rekrutierte Anhänger an der
Universität und am Gymnasium. Er stieg
in der Hierarchie auf, bis er selbst ein
„Bruder“ wurde.
Karakoyun erzählt in wohl gesetztem
Deutsch davon, dass er und seine Gülen-
Gemeinde bei „jeder Veranstaltung“, die
sie machen, Briefe, Mails und Anrufe von
„den üblichen Verdächtigen“ bekommen,
die der Gemeinde schaden wollten und sie
für eine gefährliche Sekte hielten. Für ihn
sind das alles „Verschwörungstheorien“.
Die Welt des Berliner Gülen-Anhängers
besteht aus zwei Gruppen: den „Kritikern“
und den „Sympathisanten“. Als
Beispiele für die Kritiker fallen ihm westliche
Islam-Hasser, türkische Ultranationalisten
und die Terroristen der kurdischen
PKK ein. Als Unterstützer sieht er
alle Menschen, die „an Dialog, Toleranz
und friedlichem Zusammenleben zum
Wohle aller“ interessiert sind.
Das alles klingt harmlos, so tolerant
wie friedlich. Aber was Kritikern widerfahren
kann, erlebte Ilhan Cihaner in der
Türkei: „Wer sich mit Gülen anlegt, wird
vernichtet“, sagt der ehemalige Oberstaatsanwalt.
Er ist unter säkularen Türken
ein Held, seit er 2007 gegen die Gülen-
Gemeinde ermittelt hat. Cihaner hatte,
wie er erzählt, Hinweise auf illegale
Geldgeschäfte innerhalb der Cemaat erhalten.
Auf Druck der Regierung sei ihm
das Verfahren jedoch entzogen worden.
2010 wurde er verhaftet.
Cihaner wurde vorgeworfen, Mitglied
des ultranationalistischen „Ergenekon“-
Bundes zu sein, einer Verschwörergruppe,
die den Umsturz der Regierung geplant
haben soll. Selbst politische Gegner Cihaners
halten die Vorwürfe gegen ihn für
absurd. Der ehemalige Staatsanwalt hatte
sich in der Vergangenheit als entschiedener
Kämpfer gerade gegen mafiöse Netzwerke
hervorgetan. Nun soll er im Auftrag
„Ergenekons“geplant haben, Waffen
in Wohnheimen von Gülen-Anhängern
zu platzieren, um die Bewegung zu diskreditieren.
Die Staatsanwaltschaft stützte
sich in ihrer Klage auf die Aussagen
anonymer Zeugen. Aufgrund mangelnder
Beweise wurde Cihaner aus der Haft entlassen.
Heute sitzt er für die Opposition
im türkischen Parlament.
Ähnlich wie Cihaner erging es dem
Istanbuler Journalisten Ahmet Şik. Kurz
bevor sein Buch „Imamin Ordusu“, Armee
des Imam, über die Gülen-Bewegung
auf den Markt kommen sollte, wurde der
Autor im März 2011 verhaftet. Sein Verlag
wurde von Sicherheitskräften gestürmt,
das Buchmanuskript, in dem Şik beschreibt,
wie die Gülen-Bewegung Polizei
und Justiz in der Türkei unterwandert
habe, wurde beschlagnahmt. Der Vorwurf:
Der investigative Reporter sei Mitglied
von „Ergenekon“. Dabei hatte ausgerechnet
Şik zusammen mit Kollegen
im Wochenmagazin „Nokta“ 2007 die geheimen
Putschpläne eines „Ergenekon“-
Admirals enthüllt und sich immer wieder
mit dem Geheimbund angelegt. Vor einigen
Monaten wurde Şik nach internationalen
Protesten aus der Haft entlassen.
Im September 2010 wurde Hanefi Avci,
ein früherer türkischer Polizeidirektor
und einstiger Gülen-Sympathisant, festgenommen
und beschuldigt, an der „Ergenekon“-
Verschwörung mitgewirkt zu
haben. Er hatte kurz zuvor in einem Buch
Gülen-Kadern in der Polizei vorgeworfen,
illegal Telefone ihrer Gegner abzuhören
und Gerichtsverfahren zu manipulieren.
Dass Gülen hinter den Verhaftungen
steckt, ist nicht zu beweisen. Er lebt zurückgezogen
in den Bergen Pennsylva -
nias und tut gern so, als gingen ihn die
Vorwürfe nichts an. Ein Interview mit
dem SPIEGEL lehnte er ab.
Andere sprechen für ihn. Mahmut
Çebi, der frühere Chefredakteur der
Gülen-nahen Tageszeitung „Zaman“, hat
sein Büro im Haus der World Media
Group in Offenbach. Der Journalist hat
die Europa-„Zaman“ aufgebaut, seit
April arbeitet er als Autor für den Verlag.
Die Europa-Ausgabe beziehen in
Deutschland knapp 30000 Abonnenten.
Çebi und die „Zaman“ erklären den
Lesern, wie sich die Welt aus Sicht der
Cemaat darstellt. Die Zeitung druckt Texte
Gülens und Auszüge aus dessen Predigten
und Gedichten. Kritiker werfen
„Zaman“ vor, gezielt Falschmeldungen
zu verbreiten, um Gülen-Gegnern zu
schaden. Als Politiker der Partei Die Linke
vor einigen Wochen Äußerung Gülens
zu den Kurden rügten, behauptete „Zaman“,
Die Linke unterstütze die verbotene
Kurdische Arbeiterpartei PKK. „Die
Bewegung steckt bis zum Hals in schmutzigen
Machenschaften“, sagt Dani Rodrik,
Professor für Wirtschaftspolitik in
Harvard. „Zaman“ unterstütze diese
„Mafia“ durch „Lügen, Fälschungen, Manipulation“.
„Es gibt keine Desinformation,
die sie auslassen würden, um für
ihre Sache zu werben“, sagt Rodrik.
Mahmut Çebi widerspricht allen Vorwürfen.
Seine Zeitung orientiere sich an
den Idealen Gülens, empfange aber keine
Aufträge von ihm. Gülen sei kein Sektenführer.
„Er ist ein Philosoph wie Habermas.“

DER SPIEGEL 32/2012, S. 28 ff
« Last Edit: August 06, 2012, 01:26:12 pm by KarlMartell »

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ToLeRaNz

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Re: Fetullah Gülen - der Pate
« Reply #1 on: August 13, 2012, 12:43:46 pm »
Ich finde es einfach lächerlich, was der Spiegel über die Gülen Bewegung veröffentlicht hat. Offensichtlicher geht es nicht, wie kann Herr Gülen gegen die Kurden sein, wenn er doch den
Lehren von Said Nursi folgt, dieser ist doch ein kurdischer Gelehrter!? Dieser Artikel ist wie ein bestellter Text der haltlosen Kritiker, Fethullah Gülen steht für Frieden, Toleranz und Demokratie und das stört wohl offensichtlich einige! Ich bin überzeugt das diese Art von Windmache sogar aus der Türkei kommt und zwar von der "Ergenekon", weil sie einfach in der Türkei keinen Einfluss mehr haben versuchen sie es mit allen Mitteln jetzt in der Bundesrepublik. Aber auch hier werden sie damit nicht viel erreichen können, es sei denn es gibt viele naive Bürger, die das glauben, was sie hier versuchen zu vertuschen. Jeder der ein bischen deuten kann, sieht das Herr Gülen auch nicht unbeding Zielscheibe dieser Hetzte ist, man erkennt die Feindsehligkeit gegen die Religion und das ist in deren Augen Demokratie?? Diese Bewegung ist in über 140 Ländern auf der Erde, das heißt also die Regierungen in all den Ländern sind ungebildet, tatsächlich naiv und blind, aber die "Ergenekon" sind natürlich sehr schlau..Die Vidoes von angesagten Predigten sind zusammengeschnitten, die erwähnten Namen sind auf der Liste der Terrororganisation des Geheimdienstes der Türkei, viele davon verhaftet, kein Wunder!! Solchen Leuten vertraut der Spiegel, aber was wundere ich mich eigentlich: Aydin Dogan also die Dogan Gruppe hält 30% der Aktien von Axel Springer (Der Spiegel), na klingelt es..
Und das im Fastenmonat Ramadan, natürlich ein optimaler Zeitpunkt!!!

Kater Karlo

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Re: Fetullah Gülen - der Pate
« Reply #2 on: August 13, 2012, 09:18:29 pm »
Wir wissen, dass der Islam uns Glauben machen will, dass er für  Frieden, Toleranz und Demokratie steht - allen voran Herr Gülen.
Aber Sie wissen noch nicht einmal, was Demokratie bedeutet. Die originäre Aufgabe der Medien in einer Demokratie ist es, kritisch zu berichten. Dazu gehört auch, über vermeintliche Religionen, Ideologien und so lichtscheue Gestalten wie Herrn Gülen zu schreiben.
Ramadan ist weder Grund noch Anlass, in deutschen Medien diese Aufgabe zu vernachlässigen - im Gegenteil, es bietet sich gerade zu an, einen Monat, in dem hier ein Fastenhype betrieben wird, der nichts anderes als eine Nachtfressorgie ist, dafür zu nutzen, um die Heuchelei zu thematisieren. Und wenn es um's Heucheln geht, ist Gülen ein regelrechtes Muss: ein Grundschulabbrecher, der wie der Ehrenbürger von Hameln durch pfeifen seine Anhänger findet. Sie scheinen das beste Beispiel dafür zu sein. Was Politiker sagen, ist für sehr viele Bürger hier ohne jede Relevanz - ähnlich den Einlassungen irgendwelcher Islamisten. Das ist wie in der Fabel: Wenn der Hase ankommt, ist der Igel schon da.

Und wenn der Hase namens InToLeRaNz auch noch einen Spiegel aus dem Axel Springer Verlag anschleppt,, an dem ein Herr Dogan beteiligt sein soll, dann grölt die ganze Igel-Fangemeinde. Sie lassen ihn noch 15 mal die Furchen auf und ab hecheln und dann grillen sie ihn, weil Igeln der Genuß von Insekten ausdrücklich erlaubt ist.
« Last Edit: August 13, 2012, 09:22:37 pm by Kater Karlo »